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Geräte in dieser Rubrik:
Skantic S295M,   TO-R Olympic 349, 
Grundig 5080



1. Der Skantic  (S 295 M )

 

Skanticlogo"Der Skantic" ist ein "Tönmöbel" aus den 50-er Jahren. Er stammt aus Schweden, wo ich ihn in einem Winterurlaub 1989 entdeckt hatte. Er stand einsam und verstaubt in einer Kammer herum und wurde nicht mehr genutzt. Da er mein Interesse geweckt hatte, habe ich dem Eigentümer am 31.12.89 mittags für das Gerät eine Flasche hochprozentigen Rum (54%)  angeboten, worauf hin er mir das Gerät nach einem längeren Vortrag über defekte und abgestandene Röhren und nicht formierte Elkos überließ.
Für die Rückreise wurden die Beine abgeschraubt und das Gerät auf der Rücksitzbank des Autos abgelegt.
Ich hatte das Gerät schon im Ferienhaus mit Erfolg in Betrieb genommen. Es war nichts defekt und auf Langwelle war der damals neue Sender Atlantic252 zu hören. Inzwischen ist der Sender auch Geschichte....

(Ich war damals sehr überrascht, daß man auf Langwelle einen komerziellen Pop-Sender installiert hatte.)

Der Skantic ist ein Kombi-Gerät, mit dem man unter anderem auf einem Stahldraht (Tondraht) Sprache und Musik aufzeichnen kann. Heute würde man Kompaktanlage zu dem Gerät sagen. Ein derartiges Drahttongerät hatte ich zuvor nicht gesehen.

In der Zubehörschublade des Tonmöbels fanden sich auch einige Nadeln für den Plattenspieler (Schellackplatten) und
Tondrähte auf mehreren Spulen sowie ein Mikrofon.

Bei genauerer Hinsicht fällt auf, daß dieses Gerät sehr denen der Fa. Luxor ähnelt. Eine kurze Übersicht zur Tondrahtgeschichte und einige Bilder zu Geräten der Fa. Luxor finden sich hier: http://www.johansoldradios.se/wire-recorders

Skantik GesamtansichtDas Skantic Tonmöbel

Typ: S 295 M

Links ist das Plattenspielerlaufwerk zu erkennen. Es dient gleichzeitig auch als Laufwerk für den Tondraht. Im rechten Teil befindet sich der Rundfunkempfänger. Der Vogel auf dem Lautsprecherbespannstoff trägt den Schriftzug "Skantic Radio" (s.o.). Er dient als Betriebskontrolleuchte.

Für das Radioteil und das Laufwerk gibt es je eine Abdeckklappe. Die Klappe vom Laufwerk ist abschließbar.

Das Drahttongerät:
Zur Aufzeichnung von Rundfunkprogammen, Schellackplatten oder  Mikrofonsignalen wurde ein dünner Stahldraht verwendet.  Bei einer Geschwindigkeit von ca. 60cm/sec. ergibt sich für eine Spieldauer von 1 Stunde eine Drahtlänge von etwa 2km, die sich bequem auf einer Spule von 7cm Durchmesser aufwickeln lassen, da der Tondraht einen Duchmesser von nur 0,09mm hat. Bei der Aufnahme / Wiedergabe wird der Tondraht von der kleinen Spule abgewickelt und auf eine Trommel, die gleichzeitig als Plattenteller dient, umgespult. Als Einfädelhilfe dient ein Vorspann aus Papier. Dieser Vorspann klemmt in der Spulvorrichtung des Plattentellers, sodaß man den dünnen Draht nicht manuell fixieren muß. Beim Zurückspulen wird der Papiervorspann auf die Tondrahtspule gewickelt, auf der er ebenfalls leicht klemmt. Somit kann der Tondraht nicht von der Spule herunterfallen.
Der bespielte Draht kann immer wieder "gelöscht" und für neue Aufnahmen verwendet werden.
Mit einem Drahttongerät war bereits Anfang der 50-er Jahre ein Frequenzumfang von 50-10.000 Hz möglich.

TondrahtspuleTondrahtspule der Fa. Skantic.

Der Außendurchmesser beträgt 7cm.
Im Vordergrund ist der Papierstreifen, der zur Drahtfixierung dient,  gut zu erkennen.

Wie mit einem gerissenen Draht
verfahren wird, ist
hier nachzulesen.

Die beiligenden Spulen sind noch mit Tondokumenten aus der damaligen Zeit bespielt, schwedischem Rundfunkprogramm und Mikrofonaufzeichnungen.

Beispiel des OriginaltonsBeispiel des Originaltons.  Es ist ein BBC Mitschnitt (Victor Sylvester), vermutlich Ende der 50-er Jahre aufgezeichnet. 
Zwischen dem ersten und zweiten Musikstück befindet sich ein Schnitt. Das "Rascheln" im Hintergrund ist nicht auf der Aufzeichnung, sondern wurde durch einen schlechten Kontakt am Drahttongerät erzeugt (580k).

Erfunden wurde die magnetische Tonaufzeichnung von dem dänischen Elektroingenieur Valdemar Poulsen Valdemar Poulsen , 1869–1942. Er erfand (1898) das Telegraphone (ein frühes Draht Aufnahmegerät) . .

Drahttonspule und VerpackungTondrahtspule und Verpackungen.Tondrahtspule und Verpackungen.

LaufwerkDas Platten / Drahtlaufwerk
Links befindet sich die Bedienleiste. Hier wird das Laufwerk an- oder ausgeschaltet, auf Platten- oder Drahtwiedergabe und auf die unterschiedlichen Aufnahmenquellen geschaltet.
Links unten befindet sich die Aufnahme für die Drahtspulen. Der silberfarbene Block in der Mitte ist der Tonkopf und rechts liegt der Plattenteller, in dem ein Spalt vorhanden ist, in dem der Draht beim Abspielen aufgewickelt wird.
Rechts unten steht eine Tondrahtspule mit abgerissenem Vorspann.
Oberhalb des Plattentellers befindet sich eine Art Zählwerk. Die Zählung  erfolgt in Minuten.

Die Aufzeichnung auf Draht ist, das zeigen die Erfahrungen mit dem hier vorliegenden Material, langlebig. Im Gegensatz zur Aufzeichnung auf Polyesterfolien, die mit einer magnetischen Schicht versehen sind , also Tonbandkasetten und Tonbändern, kann der Tondraht kein Wasser aufnehmen, was bei Tonbändern zu Quietschen führt, und es kann sich die Magnetschicht nicht lösen. Ein weitere Vorteil ist die Temperaturbeständigkeit. Mir liegt eine Drahtspule eines Flugschreibers vor, die ein sehr ähnliches Aussehen hat.

Laufwerkbetrieb1Das Laufwerk im Betrieb

Rechts liegt das beleuchtete Zählwerk.

Die Lampe unter dem Tonarm dient zur Beleuchtug des Laufwerks im Ganzen. Hiermit ist es einfacher, bei schlechten Lichtverhältnissen eine Platte aufzulegen oder einen Tondraht einzufädeln.

(Das Bild wurde mit 1/8-tel Sekunde ohne Blitz aufgenommen)

Damit der Tondraht möglichst gleichmäßig gewickelt wird, bewegt sich der Tonkopf im Betrieb auf und ab.

Tonkopf obenTonkopf oben

Auf diesem Bild befindet sich der Tonkopf oben. Bei genauem Hinsehen ist zwischen Tonkopf und Plattenteller der Tondraht zu sehen.

Tonkopf untenTonkopf unten

Hier ist der Tonkopf unten

Das Radio:
Der Skantic  S295M ist mit einem sehr komfortablen Radioteil ausgestattet. Es beinhaltet  Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle, verteilt auf drei Bereiche. Von 11m bis 120m.
UKW und FM hat er noch nicht.
Die Abstimmung ist mit einem großen und schweren Schwungrad versehen, sodaß man am Abstimmknopf einmal kräftig Schwung holen kann und sich der Zeiger dann über den gesamten Abstimmbereich bewegt.

Der NF-Teil ist auch sehr großzügig gebaut:
Großer Lautsprecher  mit einem Verstärker, der problemlos auch tiefste Frequenzen wiedergeben kann. Dementsprechend klingt der Skantic dann auch "bullig".

Lautstärkepoti und Einschalter befinden sich an der rechten Außenseite des Gerätes. Der Sinn kann darin liegen,daß man so das Gerät aus- und einschalten kann, ohne die Abdeckklappe öffnen zu müssen. 


Röhrenbestückung
Die Röhrenbestückung:
Radioteil:      6J6 - EM4 - 6BA6 - 2 Stk. 6AV6 - 
                   2 Stk.  6P25
Netzteil:        AZ4
Magneton:    6X4 - 6AQ5 - 6AT6 - EF40


RadioteilDas Radio.

Links sind die Bedienelemente für die Höhen- und Basseinstellungen.

In der Mitte liegt der Drehknopf für die Senderwahl und

rechts ist der Bandwahlschalter.



SkalaDie Skala des Skantic:

Sehr übersichtlich gestaltete Skala für alle Wellenbereiche.
Links oben leuchtet das Magische Auge. In diesem Gerät ist es eine EM4.
Da die originale EM4 schon sehr dunkel war, schenkte mir ein Freund
- DJ0UD - eine Neue.

Auch von Innen und der Rückseite ist der  Skantic S295M recht ansehnlich und durchdacht. Die Rückwand läßt sich ohne Werkzeug sehr einfach abnehmen. Hierzu sind im unteren Bereich zwei Veriegelungen zu öffnen. Danach läßt sich die Rückwand sehr einfach abnehmen.

RückwandRückwand des Radioteils.
Beim Abnehmen der Rückwand wird das Netzkabel über eine Steckverbindung vom Gerät getrennt.

Skantic InnenansichtInnenansicht des Skantic:

Rechts ist z.T. der Lautsprecher sichtbar.
Die große Röhre im Vordergrung ist der Gleichrichter, die beiden übereinander angeordneten Röhren sind die NF-Endstufe.





2. Der TO-R (Olympic 349)

 

Torlogo_kleinDer "TOR" Olympic 349 wurde von mir auf einem Flohmarkt gekauft. Er war leider in einem stark angegriffenen Zustand. Das Gehäuse mußte komplett abgeschliffen und neu lackiert werden. Elektronisch war er im Grunde einwandfrei, sodaß das Innere nur gereingt werden mußte.
Auf Grund seines hohen Alters hat dieses Röhrenradio keine UKW / FM Funktionen.

Somit kann er auf den Bändern
KW III : 16m .... 26m
KW II  : 30m .... 50m
KW I   : 75m ... 200m
MW     : 200m ... 550m
LW     : 800m ... 1900m
empfangen.



TOR Olympic 349 von vorne.

Ich nenne ihn deshalb "Lamelle", weil der Lautsprechergrill lamellenförmig konstruiert wurde.

Die Bedienelemente von links nach rechts:
Lautstärke 
Bässe
Ausschalter und Bandschalter
Höhen
Senderwahl


Das Radio wurde von TO-R Radio A/S; Vanløse in Dänemark ca. 1948 gebaut.
Es ist ein Allstromgerät und damit ist der Betrieb ohne einen passenden Trenntrafo lebensgefährlich, denn es ist kein geräteinterner Transformator vorhanden.


Rückwand_kleinAnsicht des Radios von hinten.

Der Netzanschluß ist fest mit der Rückwand verbunden und wird bei der Demontage der Rückwand vom Chassis abgezogen.



Die Röhrenbestückung ist:

UCH21,  UAF42,  UAF42,  UBL21,  UM4,  UY1.



3. Der Grundig 5080

 

5080 kleinDas erste Radio, an das ich mich erinnere, ist das Familiengerät
Grundig 5080  
(HiFi Zauberklang). Bis zur Anschaffung einer Stereo-Anlage war es das Wohnzimmer-HiFi-Gerät zum Radiohören und Abspielen von Schallplatten.
Nachdem die Stereo-Anlage angeschafft war, wurde es ins Kinderzimmer verbracht und diente dort noch viele Jahre als Audio-Gerät; vorzugsweise, um unsere Kinderplatten abzuspielen.
Im Laufe meiner Jugend kam es dann "unter die Räder".
Nun habe ich mir dieses Modell nochmal "geangelt". Leider hat die Skalenscheibe mehrere Glasbrüche, aber vielleicht bekomme ich sie auch noch repariert.
Der Zustand des Gerätes ist als gut zu bezeichnen. Es wurde einmal repariert, zeigt aber keinerlei Verbastelungen, alles im Originalzustand und vom Fleck weg funktionsfähig. Allerdings ist das Gerät stark verschmutzt gewesen (ekeliger Dachboden-Staub). Der Lack weist nur geringe Beschädigungen auf. Defekt waren die elektrostatischen Hochtöner (Kondensatorhochtöner  oder auch Elektrostaten). Sie gaben keinen Mucks mehr von sich. Zusätzlich sind der Selen-Gleichrichter und ein Netzteil-Widerstand beschädigt.
Vermutlich lag ein Überlast-Fall vor, der zur Beschädigung des Gleichrichters geführt hat. Weil nun sein Innenwiderstand stark erhöht ist, habe ich ihn mit 4 Silizium-Dioden "überbrückt". Diese Dioden habe ich direkt an die Anschlußkontakte des  Gleichrichters gelötet und die Selen-Säule beibehalten.
Daraus resultierte eine erheblich zu große Betriebsspannung. Da aber auch das Radio nicht für 230V, sondern nur für 220V gebaut ist, und auch die Heizspannung zu groß war, habe ich für's Erste bechlossen, auf der Primär-Seite des Netztrafos einen Zement-Vorwiderstand von 47Ohm / 10W zu ergänzen. Hiermit stimmen im Betrieb nun die Anoden- und Heizspannung.

Reparatur-Vorgehensweise:

1. Selengleichrichter:
Im Falle eines defekten (hochohmigen) Selengleichrichters (B250 C150 N2) können als Ersatz 4 Dioden oder ein passender Brückengleichrichter verwendet werden. Üblicherweise wird die Diode 1N4007 empfohlen.  Ich habe die Glasdiode BY448 verwendet, weil ich davon sehr viele vorrätig habe.

Selengleichrichter01_kleinEinbau der Ersatz-Dioden bei einem beschädigten Selengleichrichter:

Die Dioden wurden so abgelängt, dass die Drähte genau den gleichen Abstand haben, wie die Kontakte an der Gleichrichtersäule.

Ich habe die 4 Dioden im Vorfeld zu einem Quadrat verlötet, die Drähte ca. 2cm lang gelassen und das vorgefertigte Diodenquartett auf den Gleichrichterkontakten bestückt.

Hier kamen 4 Stk. BY 448 zum Einsatz
.

Rechts im Vordergrund ist der beschädigte 2W-Widerstand R84 (500 Ohm) sichtbar.

Und nicht vergessen: Auf die Anodenspannung achten! Ggf. einen Serienwiderstand vorsehen.

Zum heutigen Tag liegt noch keine endgültige Festlegung zur Befestigung des 47R-Widersatandes vor, daher gibt es keine weiteren Beschreibungen.

2. Kondensatorhochtöner  /  elektrostatischer Hochtöner  /  Elektrostat

Elektrostat
Im Regelfall sind die beiden elektrostatischen Hochtöner im 5080 defekt.
Hinweise zum Aufbau und zur Reparatur sind im Internet selten. Daher beschreibe ich an dieser Stelle, wie die Teile überarbeitet werden können.
Die Funktionsweise der Hochtöner beruht auf dem elektrostatischen Prinzip: Zwei leitende Flächen unterschiedlichen Potentials ziehen sich an.
Je größer die Feldstärke zwischen den beiden leitenden Flächen ist, desto größer ist die Anziehungskraft.
Bestimmt wird diese Kraft durch den Abstand der Flächen zueinander und die Spannung zwischen den Flächen.
Einen Lautspercher erhält man, wenn z.B. die eine Fläche starr und die andere beweglich ist.

Die Elektrostaten des 5080 sind so gebaut, dass die starre Fläche als Kupfer-Lochblech und die bewegliche Fläche als dünne, einseitig metallisierte Kunststofffolie ausgeführt sind.

Vorgehen zur Reparatur:
Benötigt wird: Lötkolben; Bohrer 2mm, 3mm, 5mm; Akkuschrauber; kleiner Schraubendreher; Wattestäbchen; Isopropanol oder Waschbenzin; Sanitärreiniger mit Entkalker; 8 Senkkopfschrauben M3; 8 Muttern M3
sauberer übersichtlicher Arbeitsplatz; ruhige Hand.

Nachdem die jeweils vier Holzschrauben gelöst sind, lassen sich die Hochtöner von der Schallwand abnehmen.
Danach öffnet sich der Blick auf die Vorderansicht des Elektrostaten. Man erkennt deutlich die starre Fläche, die hier in Form eines Lochblechs aus Kupfer ausgeführt ist.

Elektrostat vorneAnsicht des Elektrostaten von vorne.

Rechts unten im Bild befindet sich der Lötkontakt für den Masseanschluß. Er wird von der rechten Lötöse abgelötet.
Die linke Lötöse (rote Farbmarkierung) ist intern mit einem dünne Kupverstreifen verbunden. Hier wird nichts abgelötet. Auf dem Kupferlochblech ist eine Isolierfolie zu erklennen, die nicht beschädigt werden sollte.
Die gesamte Konstruktion wird mit zwei Kunststoffteilen zusammengehalten. Diese beiden Kunststoffteile werden über insgesamt 4 Kunststoffnieten mit dem Gehäuse zusammengehalten. Die verschmolzenen Nieten sind oben und unten erkennbar.

 

Nach dem Ausbau werden die vier Kunststoffnieten aufgebohrt. Alternativ können sie auch mit einem 3mm-Bohrer kpl. ausgebohrt werden.

Elektrostat; ausgebohrte NieteAnsischt des Elektrostaten, aufgebohrte Kunststoff-Nietung

Um die Elektrostaten öffnen zu können, müssen sie zerlegt werden. Hierzu werden die beiden Kunststoffteile vom Gehäuse getrennt. Dies geschieht durch Aufbohren oder Ausbohren der Kunststoffnieten. Im linken Bild ist die linke Niete mit einem 5mm Bohrer aufgebohrt worden.
Geht man diesen Weg, lassen sich die Nieten ggf. nach der Reparatur wieder verschmelzen.

Alternativ können sie aber auch kpl. ausgebohrt werden. In dem Fall werden sie später durch 3mm Senkkopfschrauben ersetzt.


Elektrostat , ausgebohrte Niete 1 klein.jpgAnsischt des Elektrostaten, ausgebohrte Kunststoff-Nietung.

Hier ist die Alternative zum Aufbohren zu erkennen. Die Nieten wurden von der Gehäuserückseite her ausgebohrt. Angesetzt habe ich in der kleinen Vertiefung und zunächst mit einem 2mm Bohrer vorgebohrt. Danach wurde die Niete kpl. mit einem 3mm ausgebohrt.
Zusätzlich habe ich sie danach von der Vorderseite mit dem 5mm Bohrer aufgebohrt, damit später die Senkkopschraube versenkt montiert werden kann.


Ich habe mich dazu entschlossen, die Nieten kpl. durch 3mm Schrauben zu ersetzen.

 

Da die Bilder im Wesentlichen mit einem anfänglich aufgebohrten Elektrostaten aufgenommen wurden, ist im Folgenden der Rest der Niete auf den Bildern zu sehen. Später habe ich sie dann kpl. ausgebohrt.
Das Aufbohren habe ich in zwei Schritten  durchgeführt: Zuerst eine Führungsbohrung mit einem 2mm-Bohrer, dann mit einem 5mm-Bohrer den Niet-Kopf weggebohrt.

 

Elektrostat , aufgebohrte Niete_4_kleinAnsischt des Elektrostaten, 2 aufgebohrte Kunststoff-Nietungen.

An der linken Nietung ist erkennbar, wie sich der Kunststoffhalter später lösen wird.

Beim Aufbohren können sich ringförmige Kunststoffteile vom "Nietkopf" lösen. Das ist normal und kein Problem.
Am rechten Niet ist das Ergebnis nach dem Aufbohren recht gut erkennbar.

 

Nachdem die Nieten aufgebohrt sind, werden die beiden Kunststoffhalter vorsichtig vom Gehäuse des Elektrostaten abgenommen. Ein wenig Hebeln ist erforderlich, wenn die Nieten nur aufgebohrt wurden.

Elektrostat , aufgebohrte Niete_5_kleinAnsischt des Elektrostaten, angehobener Kunststoff-Halter.

Nach dem Aufbohren bleibt ein kleiner Nietrand übrig. Daher löst sich der Kunststoffhalter nur mit leichter Gewalt vom Gehäuse. Zum Lösen habe ich einen kleinen Schraubendreher mit sehr flacher Klinge verwendet.
In Verlängerung zur Niete sind im Gehäuse kleine Spalten zu sehen. Sie verleiten dazu, dort den Schraubendreher zum Hochhebeln des Halters anzusetzen.
Bei dem hier gezeigten Halter ist es möglich so vorzugehen. Bei den Haltern auf der anderen Seite des Elektrostaten ist diese Vorgehensweise strikt zu vermeiden, um Schäden an weiteren Bauteilen innerhalb des Elektrostaten zu vermeiden.

Daher empfehle ich, grundsätzlich nicht die kleinen Spalten als Ansatzpunkt zum Hochhebeln des Kunststoffhalters zu verwenden.
 

Elektrostat , aufgebohrte Niete_5_NoGo_klein.jpgDie rot gekennzeichneten Stellen sind zum Hochhebeln der Kunststoffhalterung ungeeignet.

Auf diesem Bild ist zu erkennen, daß der Anschluß des Kupferlochblechs noch nicht an der Lötöse abgelötet wurde. Ein Ablöten ist gem. oben beschriebener Vorgehensweise vorteilhaft.











 

Nach oben beschriebenem Prinzip werden alle 4 Nieten aufgebohrt. Nun läßt sich der Elektrostat zerlegen.

Elektrostat Demontage-klein.jpgAbgenommenes Kunststoffteil.

Hier sind alle 4 Nieten aufgebohrt, das untgere Kunststoffteil entfernt sowie das obere gelockert, sodsaß es abgenommen werden kann.

Unter der rot markierten Lötöse befindet sich im Inneren ein dünner, schmaler Kupferstreifen, mit dem die innen liegende Folie kontaktiert wird. Auf diesen Streifen ist zu achten.
Außerdem sollte die Kunststofffolie unter der rot merkierten Lötöse nicht bechädigt werden, denn sie dient als Isolierung.





 

Nachdem die beiden Kunststoffteile abgebaut wurden, kann der Kondensatorhochtöner weiter zerlegt werden. Dazu wird das Kupferlochblech zusammen mit sämtlichen Innereien des Gehäuses komplett entnommen, beispielsweise durch vorsichtiges Anheben des Lochblechs oder indem man es "über Kopf" gewissermaßen ausschüttet. Nochmal der Hinweis: Auf den Kupferstreifen achten, denn er ist leicht zu beschädigen.

Elektrostat, Demontage_01_klein.jpgVollständig geöffneter Elektrostat

Unten im Bild das Gehäuse mit einem völlig spröden Schaumstoffstreifen, der erneuert werden muß,

Darüber der eigetliche Hochtöner. Das weisse Material ist eine Art Fließ, der die Folie leicht gegen das Lochblech drückt. Auf diesem Bild ist die eigentliche Folie nicht zu sehen, da sie vollständig durch den Fließ verdeckt ist. Lediglich links oben ist sie ansatzweise zu erkennen. Gegenüber dem Schaumstoffstreifen ist der Abdruck dieses Streifens im Fließ erkennbar. Er drückt den dünnen Kupferstreifen gegen die metallisierte Fläche der Folie.


 

Nachdem die Innereien ausgebaut sind, kann der Kupferstreifen aus dem Schichtaufbau einfach herausgezogen werden.
Ich empfehle aber, vorher einen Blick auf den inneren Aufbau zu werfen, damit anschließend der Zusammanbau einfach erfolgen kann. Es ist möglich, dass es zwei Bau-Varianten gibt:
1) Der Kupferstreifen liegt direkt zwischen Folie und Fließ.
2) Der Kupferstreifen ist zwischen zwei Folien angeordnet (Gewissermaßen in einer Tasche).

Elektrostat, Demontage_02_klein.jpgElektrostat, Demontage_03_klein.jpgVorder- und Rückansicht des Inneren.

Auf beiden Bildern ist die Kupferfolie gut erkennbar.
Sie kann einfach aus den "geschichteten" Einzelteilen herausgezogen werden. Es empfiehlt sich aber, den Fließ vorher ein wenig anzuheben, um die genaue Position des Kupferstreifens festzustellen.
Ich bin der Meinung, daß  in einem Hochtöner der Kupferstreifen zwischen Folie und Fließ lag, in dem anderen Hochtöner aber eine zweite Folie vorhanden war, die zusätzlich zwischen Fließ und Kupferstreifen lag.
Die Folie ist umlaufend mit einer weiteren Isolierfolie versehen, damit es später zwischen Folienoberseite und Lochblech keine Kurzschüsse gibt.

 

Aufbau_01_kleinBlick zwischen Folie und Kupferlochblech

Unten, kaum erkennbar ist der Fließ. Der Ort, an dem der Kupferstreifen lag, ist deutlich sichtbar.






 

Ursache des Hochtönerausfalls ist vermutlich die  oxidierte Kontaktfeder. Auf einigen Seiten im Internet wird berichtet, dass eine Säuberung für Abhilfe sorgt. Daher habe ich den Ratschlag befolgt und zunächst den Zustand der  Oberfläche in Augenschein genommen. In der Tat sieht die Oberfläche nicht aus, wie "frisches" Kupfer.
Es wird auch berichtet, den Streifen mit Schleifpapier zu säubern. Dies erschien mir zu heftig für die Anwendung, zumal das Anschleifen die Oberfläche vergrößert und eine erneuten Oxidation damit beschleunigt wird.

Kontaktfeder_01_klein.jpgAusgebaute Kontaktfeder des Kondensatorhochtöners.

Deutlich erkannbar ist die fleckige, oxidierte Oberfläche des Kupferstreifens.

Untern links ist eine Deformation erkennbar, die durch eine unsachgemäße Öffnung des Gehäuses hervorgerufen wurde. Ich hatte mit einem Schraubendreher in den o.a. kleinen Spalten der Lötösen die Kunststoffhalterung hochgehebelt. Dabei wurde der Kupferstreifen beschädigt.





 

Zur Säuberung habe ich einen Reiniger für Badewannen, Duschen usw. verwendet, der Kalkablagerungen, Seifenreste usw. entfernt, also säurehaltig ist. Nach meinen Recherchen ist es Amidosulfonsäure (auch Sulfaminsäure oder Sulfamidsäure genannt). Mit diesem Reiniger habe ich ein Wattestäbchen getränkt und den Kupferstreifen an allen Kontaktflächen ca. 5min lang abgerieben. Innerhalb dieser Zeit wird das Kupfer wieder blank.
Anschließend wird der Streifen gründlich gespült, um die Reinigerreste vollständig zu entfernen, und getrocknet.
Nach der Behandlung darf der Kupferstreifen nicht mehr mit den bloßen Fingern berührt werden, weil sonst erneut Säuren und Fette aufgetragen werden. (Kennt jeder, dass blankes Kupfer oder Messing, das man anfäßt, an den Berührungsstellen schnell wieder anläuft, was zu vorzeitiger Oxidation führt).

Kontaktfeder_02_klein.jpgAusgebaute und gereinigte Kontaktfeder des Kondensatorhochtöners

Es ist klar erkennbar, dass die Oxidation beseitigt ist und das Kupfer wieder glänzend hell ist.
Die Oxidschicht ist beseitigt.

Es muß auch nur die abgebildete Fläche gereingt werden.

Wichtig beim Reinigen: Nicht den Streifen knicken, oder sonstwie verbiegen. Die hier sichtbare Biegung muß erhalten bleiben.



Nach der Reinigung der Kupferstreifen ist es ratsam, auch die Lötösen zu reinigen, über die die Kupferstreifen angeschlossen werden. Auch hier habe ich mit dem Badreiniger gute Ergebnisse erzielt.

Lötöse_klein.jpgLötöse des "+"-Anschlusses eines Kondensatorhochtöners.

Sie ist beidseitig mit dem Badreiniger "entoxidiert" worden.
Auch hier ist eine gründliche Entfernung der Reiniger-Reste nötig.










 

Bevor es an den Zusammenbau des Hochtöners geht, muß der zerbröselte Schaumstoffstreifen im Gehäuse erneuert werden. Er drückt später den Kupferstreifen an die Kunstofffolie, sodass ein zuverlässiger Kontakt zu deren metallisierten Oberfläche gewährleistet ist.
Der zerbröselte Streifen wird incl. Klebereste vollständig entfernt und durch einen neuen Schaumstreifen ersetzt. Hier sollte ein Material gewählt werden, das dauerelastisch ist und nicht, wie der Schaumstoff, nach diversen Jahren versprödet.
Ich habe von der Fa.Tesa das "Tesa moll PVC-Dichtungsband" mit den Maßen 9mm Breite x 4mm "Dicke" gewählt. Es ist ein rechteckiges Profil.

 

Gehäuse_innen_klein.jpgDas Gehäuseinnere.

Der zerbröselte Schaumstoffstreifen muß ersetzt werden.

Es ist ratsam die Länge und Position des defekten Streifens für den neuen Streifen beizubehalten.

Er drückt später den Kupfertsreifen gegen die metallisierte Seite der Kunststofffolie.










 

Nun sind alle Einzelmaßnahmen beendet und der Elektrostat kann wieder zusammen gebaut werden.
Es wird der Kupferstreifen exakt so, wie er vor dem Zerlegen montiert war, auf der Kontaktfläche der  Kunststofffolie platziert.
Der Fließ wird ordentlich ausgerichtet.
Kupfer-Lochblech, Kunststofffolie und Fließ werden geschichtet und wieder ins Gehäuse des Hochtöners gelegt.
Hierbei ist die Kupferfolie über den Rest der aufgebohrten Niete zu führen oder, wenn die Niete ausgebohrt ist, mit der Bohrung im Gehäuse zu Übereinstimmung zu bringen.
Im Anschluß werden die Kunststoffhalter montiert und festgeschraubt / mit dem Rest der Niete verschmolzen.

Elektrostat_halbmontiert_klein.jpgTeilmontierter Elektrostat.

Alle Bestandteile sind im Gehäuse untergebracht. Die Kupferfolie befindet sich in ihrer Ursprungslage (Sie liegt nun direkt in Übereinstimmung mit dem Schaumstoffstreifen).

Rechts im Bild ist einer der Kunststoffhalter bereits montiert.

Hier, wie oben beschrieben, noch ohne ausgebohrte Nieten.

 

Die M3-Senkkopfschrauben werden von der  Kupferblechseite her bestückt, damit der Elektrostat später wieder flächig an der Schallwand anliegt. Die Muttern befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses.
Der Anstand zwischen Mutter und Gehäuse des Hochtöners ist ggf. zu klein. Hier nicht die Mutter mit Gewalt anziehen, sondern an einer Seite abschleifen.

Senkkopfschraube_klein.jpgSenkkopfschraube zur Befestigung des Kunststoffhalters am Hochtönergehäuse.

Die Schraube nicht zu fest anziehen, damit  der Kunststoffhalter an der Bohrung nicht aufbricht.

Der linke Niet in diesem Bild muß noch ausgebohrt werden.









 

Zum Schluß ein weitere Bilder des zusammengesetzten Kondensatorhopchtöners. 

 

 

Elektrostat-Montage_klein.jpgIm linken Bild die aufgebohrte Niete.

Evtl. lose sitzende Kunststoffteile werden entfernt.

Für den Schraubenkopf wird eine Senkung vorgenommen.
Hierfür eignet sich notfalls ein 5mm Bohrer.

















 

Wenn alles montiert ist, wird der Masseanschluß wieder mit der Lötöse verbunden.

 

Elektrostat-Montage2_klein.jpgFertig zusammengeschraubter Hochtöner





















 

 

Elektrostat-Montage3_klein.jpgRückansicht des zusammengesetzten Hochtöners.

Alle Nieten wurden durch Schrauben ersetzt.
Da die Muttern sehr dicht ans Gehäuse heranreichen, müssen sie ggf. an einer Seite angeschliffen werden.

Keinesfalls sollten sie mit Gewalt / Kraft im Falle des Nichtzusammenpassens angezogen werden.










 

Elektrostat-Montage4_klein.jpgAnsicht von der Anschlußseite














 

Bevor die Hochtöner wieder in den guten 5080 eingebaut werden, empfiehlt sich eine Prüfung.
Dies erfolgt in 2 Schritten:
Zuerst wird mit einem Ohmmeter der Widerstand zwischen den beiden Anschlüssen gemessen. Er muß "unendlich" groß sein.
Wenn vorhanden, kann die Kapazität der Hochtöner gemessen werden. Sie sollte jeweils zwischen 600pF und 1nF liegen.

Wenn dies erfolgreich war, werden die Hochtöner testweise mit dem Radio verbunden und im Betrieb überprüft. Aus beiden sollten deutlich vernehmbar die Höhen zu hören sein.

Wenn auch dieser Test erfolgreich verlaufen ist, können die beiden Elektrostaten wieder ins Gehäuse eingebaut werden.

 

-----------Fortsetzung folgt--------

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